Dienstag, 23. Juni 2015

Warum müssen eigentlich die Homöopathen beweisen, dass die Homöopathie wirkt?

"Wunderheilmittel gegen Krebs! Wunderheilmittel gegen Krebs! Leute, kauft mein Wunderheilmittel gegen Krebs! Soeben erfunden, Wirkmechanismus unklar, Wirknachweis nicht erbracht..."

Zum Glück darf in unserer heutigen Medizin so etwas nicht geschehen.
Bevor man ein neues Medikament (oder eine neue Therapie) auf den Markt bringen darf, muss erst mal akribisch zusammengestellt werden, wie ein solches Medikament theoretisch wirken könnte/soll. Dann müssen zig klinische Studien gemacht werden, in der eine solche postulierte Wirksamkeit überprüft wird. Und zwar - ganz wichtig - nicht einfach per se, sondern immer im Vergleich zu einem Placebo oder im Vergleich zu bereits etablierten Methoden/Medikamenten. Erst wenn sich hier eine wiederholbare Wirksamkeit nachweisen lässt, kann ein Medikament als solches zugelassen werden (ich habe den Prozess stark verkürzt, hier erfahren Sie bei Interesse mehr (1)). Diese ganze Zulassung muss derjenige erbringen, der das Medikament auf den Markt bringen möchte. Wobei es nicht primär darum geht, es auf den Markt zu bringen, sondern damit Patienten Heilung zukommen zu lassen. Hier konkurrieren manchmal Wissenschaft und Wirtschaft miteinander, das soll hier aber kein Thema sein.
Wichtig ist: Es ist ja nicht an den Patienten, die das Medikament erstmal angepriesen oder gar verpasst bekommen, sich nach dem Wirkmechanismus oder den Wirksamkeitsnachweisen zu erkundigen. Nein, eine Therapie muss VORHER geprüft werden und zwar von dem, der sie durchführen möchte.

So ist es auch bei der Homöopathie. Mit dem Unterschied, dass die Homöopathie nicht neu auf dem Markt ist, sondern bereits seit etwas mehr als 200 Jahren. Sie hat sich also bereits etabliert und es sich  in vielen Köpfen gemütlich gemacht mit dem Etikett "wirkt!". Jetzt kommen die "bösen" Kritiker daher und fordern die Homöopathie auf, sich gemäß den oben genannten, in der Medizin unverzichtbaren Prozessen, als tatsächlich wirksam und damit vertretbar zu erweisen.
Und was tun wir Homöopathen? Wir sagen nicht etwa, auja, genau so läuft es in der Medizin, zu der wir gehören möchten: Wir erklären also unsere Wirksamkeitsvorstellungen, so, dass sie naturwissenschaftlich verstanden werden, wir belegen unsere Wirksamkeit, wir lassen uns prüfen mit den Methoden der heutigen Zeit. Wir wollen, dass sich unsere Patienten sicher sein können, dass das was wir ihnen anbieten auch richtig ist und nicht nur ein Etikett bekommt (oder behält), das uns gefallen würde.
Es ist also an den Homöopathen erstmal den Wirkmechanismus der Homöopathie so zu erklären, dass er innerhalb der geltenden Maßstäbe der Medizin heute verstanden wird. Daran scheitert die Homöopathie aber leider bereits kläglich. Die Wirksamkeitsnachweise, die dennoch (denn eigentlich macht es keinen Sinne, etwas zu prüfen, das bereits im ersten Schritt scheitert) erbracht worden sind, kommen über ein Placebo nicht hinaus oder sind schrecklich fehlerhaft.
So sieht es aus mit unserer Homöopathie. Wir können diesen modernen Prozess der Prüfung leider nicht erfüllen. Das bedeutet aber, dass wir entweder peinlicherweise weiter marktschreierische Behauptungen aufstellen (ohne dazu berechtigt zu sein oder diese belegen zu können) oder wir verziehen uns aus der Medizin. Hartes Urteil, ich weiß.

Leider ist die Homöopathie im deutschen Gesundheitswesen jedoch unter den sogenannten "besonderen Therapierichtungen" verankert. Damit fällt dieser Anspruch an ihre Medikamente weg. Sie müssen nicht mehr darlegen, wie sie wirken könnten. Sie dürfen "aus der Tradition heraus" einfach so angewendet werden und auch in klinischen Studien zur Wirksamkeit eingenommen werden. Fatal. Nicht zuletzt deshalb fordern einige Wissenschaftler und Homöopathie-Kritiker die Scientabilitäts-Prüfung. Damit ist gemeint, dass die Wirksamkeit eines Medikaments erst dann klinisch überprüft werden sollte, wenn klar ist wie es wirkt und dass der postulierte Wirkmechanismus nicht bereits bekanntem Wissen über Wirkmechanismen oder Naturgesetzen widerspricht: „Bevor man klinische Studien macht, sollte man prüfen, ob das Medikament oder das Verfahren den bekannten Naturgesetzen widerspricht. Wenn Naturgesetze verletzt werden, haben klinische Studien keinen Sinn. Im Gegenteil, es ist gefährlich, weil zwangsläufig auch Studien mit positiven Ergebnissen zu erwarten sind, die dann über- oder missinterpretiert werden.“ (aus dem Interview mit Dr. Christian Weymayr, Autor des Buches „Die Homöopathie-Lüge“).



(1) Zulassung von Arzneimitteln: BfArM: http://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/zul/zulassungsverfahren/_node.html
(2)
(3) Mehr über Scientabilität: http://blog.gwup.net/2013/06/19/sind-homoopathie-studien-irrelevant-oder-was-bedeutet-scientabilitat/

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