Freitag, 19. Juni 2015

Was bedeutet eigentlich D6? Über die Potenzierung homöopathischer Heilmittel

Ursprünglich vielleicht gar keine so dumme Idee von Hahnemann: giftige Medikamente zu verdünnen, um sie in niedrig(st)en Dosen Patienten geben zu können. Denn zu seiner Zeit war es durchaus üblich Hochgiftiges wie Belladonna (Tollkirsche), Quecksilber oder Digitalis (Fingerhut) zu therapeutischen Zwecken zu verabreichen. Doch Hahnemann wollte mehr als das:

Er wollte nicht primär giftige Stoffe verdünnen, sondern alle seine Arzneimittel POTENZIEREN. Was ist damit gemeint?

Hahnemann meinte damit das Potenzieren (Vervielfachen) einer dem Ursprungsstoff innewohnenden geistartigen Heilkraft. Das sollte in etwa bedeuten: Stoffe, darunter auch solche, die per se keine arzneiliche Wirkung haben, sollten viel besser und auf besondere Weise wirken, wenn sie vorher auf spezielle Weise aufbereitet würden. Hierzu verdünnte er z.B. einen Tropfen der gelösten Ursprungssubstanz mit 9 Tropfen Wasser oder Alkohol, schüttelte die gewonnene Mischung kräftig, indem er sie vorzugsweise auf ein Lederbuch klopfte, entnahm dann einen Tropfen und verdünnte diesen wiederum mit 9 Tropfen Wasser oder Alkohol, schüttelte.... usw.
Er versprach sich von einer solchen Zubereitung, dass, obwohl der materielle Anteil der Ursprungssubstanz immer geringer würde, sich "das Wesen/die Energie" der Arznei nun in einer immateriellen Form entfalte. Und zwar je öfter verschüttelt, umso stärker.


In der Homöopathie gibt es deshalb verschiedene Potenzen. Angefangen mit der D1 (das heißt, die erste Stufe des oben beschriebenen Schüttelvorgangs) über D6 bis hin zu... nunja, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Die Potenz wird auf den Globuli-Fläschen hinter dem Namen des Medikaments angegeben, z.B. Arnika D6. (Es gibt auch C-Potenzen, dort wird ein Tropfen Ursprungslösung jeweils mit 99 Tropfen weiter verdünnt. Im Buch erkläre ich dies genauer, auch woher die Abkürzungen stammen). 

Gemäß Hahnemanns Vorstellungen bedeutet die Höhe der Zahl hinter dem D oder C jedoch, dass ein homöopathisches Präparat umso stärker wirkt, da es nun immer potenter ist, was die von Hahnemann beschrieben besondere "energetische" Heilkraft anbetrifft.

Wie können wir aus heutiger Sicht zu dieser Idee Hahnemanns Stellung nehmen?

  1. Wir können sie akzeptieren und als Homöopathen arbeiten.
  2. Wir können uns fragen, wie ein solchermaßen verdünnter Stoff wirken soll: D6 bedeutet nämlich, dass der Schüttelprozess 6 Mal wiederholt wurde. Es liegt also 1 Tropfen Ursprungslösung in knapp 1 Million Tropfen Wasser/Alkohol vor, bei einer D12 ist es bereits 1: 1 Billion (12 Nullen), bei einer D15 1: 1 Billiarde (15 Nullen). Solche großen Zahlen sind für mich immer schwer vorstellbar gewesen, sicher ist jedoch, dass bei einer solchen Verdünnung nicht mehr davon ausgegangen werden kann, dass der einsame Tropfen noch irgendeine Wirkung im Körper anstoßen kann. 
  3. Wir können uns fragen, was genau passiert sein soll, um eben nicht von einer Verdünnung, sondern von einer "Potenzierung" sprechen zu können und wie und wodurch genau eine geistartige Heilkraft entstanden sein soll. Denn wenn wir Hahnemanns Worte genau lesen, stellen wir fest: er beschreibt dies nirgends. Er behauptet es, das ja. Aber er beschreibt und erklärt nirgends, WIESO das Verdünnen und Schütteln eines Stoffes eine Heilkraft freisetzen soll. Und wenn wir ehrlich sind, können wir als Homöopathen dies bis heute auch nicht besser erklären. Es gibt viele Wissenschaftler, die wären ganz heiß auf dieses Phänomen, auf dieses Wunder der Natur: Verdünnen, Schütteln, Materie wird geistartig/"Energie". Wow. Hat jemand eine Idee? 
  4. (natürlich gibt es noch viele weitere offene Fragen, die ich nach und nach hier be-bloggen werde)


Zum Weiterlesen:
(1) Lambeck: Irrt diePhysik? CH Beck Verlag
(2) Aust: In Sachen Homöopathie - eine Beweisaufnahme. www.beweisaufnahme-homoeopathie.de
(3) Hahnemann Organon




Kommentare:

  1. Man sollte sich dann vor allen Dingen fragen, was man denn einnimmt, wenn das Potenzieren wirken würde. In jedem Wasser sind andere Stoffe drin, die man dann mit verdünnt/potenziert. Damit wäre jedes potenzierte Homöopatikum ein Giftcocktail, weil man nicht einmal die genau "Potenzierung" der Verunreinigungen kennt. Und ich meine keine nach der Herstellung, sondern beim Vorgang des "Schüttelns" schon enthaltene. Da beißt sich schon die Katze in den Schwanz und die Logik ginge den Bachr unter...

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  2. Absolut richtig! Versuche heute einen Blog in dem Sinne zu schreiben, was passiert, wenn man die Ideen der Homöopathie konsequent zu Ende denkt. Ein gutes Beispiel ist das Ihre. Danke
    Im Buch steht dazu auch schon mehr;-)

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  3. Udo Pollmer hat eine nette Interpretation wie Herr Hahnemann auf die Potenzen gekommen ist. Hahnemann wusste ja das Patienten von den damaligen überdosierten Arzneien mehr vergiftet als geheilt wurden. Aber da stark verdünnte Arzneien nicht als Medizin akzeptiert würden hat er die Erklärung mit der "energetischen“ Heilkraft aus der damaligen Weltanschauung übernommen. Aber nur damit seine Arznei von Ärzten und Patienten akzeptiert wird, an eine "energetische“ Heilkraft hat Herr Hahnemann vielleicht selbst gar nicht geglaubt.

    Udo Pollmer
    Allein die Dosis macht das Gift
    Der Sieg der Vernunft: Samuel Hahnemann, die "Urtinktur" und die Homöopathie
    http://www.deutschlandradiokultur.de/allein-die-dosis-macht-das-gift.993.de.html?dram:article_id=244080

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  4. haha, das möchte ich auch gern glauben:-) Hahnemann war ja wirklich ein Schlitzohr!

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  5. Die Wirkungsweise Homöopathischer Stoffe beschreibt sich folgender Maßen:

    Durch die Diffusionskraft des Wassers werden die Molekülstrukturen immer weiter aufgebrochen. Umso kleiner die Strukturen werden desto besser lassen sich diese von unseren Zellen aufnehmen oder Abtransportieren. Die Wirkungsweise verändert sich mit ihrer Homogenisierung. Potenzen mit D6 lassen sich mit einer Kolloidalen 1ppm Lösung gleichsetzen. Ab kleiner D6 lässt sich die Größe nicht mehr nachweisen. Die Teilchen haben nun eine Größe erreicht in der sie aus verschiedenen Energiezuständen bestehen. Diese Zustände können Materielle Eigenschaften auf ihrem Energieniveau verändern.

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    1. Das ist ja spannend, was Sie da schreiben. Gibts auch Belege dazu? Wissenschaftliche Veröffentlichungen? Falsifizierungen dieses Postulats?

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    2. Gequirlte (potenzierte) Scheisse

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