Samstag, 25. Juli 2015

Homöopathie hat Nebenwirkungen!: Homöopathie zerbricht Freundschaften

Homöopathie hat keine Nebenwirkungen? Oh doch! Nach meiner jüngsten Erfahrung kann ich von einer massiven und bisher viel zu wenig beachteten Nebenwirkung berichten:
Durch Diskussionen mit Freunden, Bekannten und geschätzten Kollegen über die Homöopathie zerbrechen diese Freundschaften.

Ein Beispiel aus einer Zuschrift an mich:
"Vor etwa einem halben Jahr entwickelte sich in meinem Freundeskreis ein bösartiger, tiefgreifender Streit um die Homöopathie. Im Zusammenhang mit der jüngsten Ebola-Epidemie waren einige Freunde bereit, sogar die absolut verwerfliche Anwendung von Homöopathie im Zusammenhang mit Ebola (!) zu verteidigen. Mir war bewusst gewesen, dass diese Freunde einen Hang zur Alternativmedizin hatten, aber dass dieser Hang so weit ging, Akte krasser Menschenfeindlichkeit und Grausamkeit zu verteidigen, um ein esoterisches Weltbild aufrecht zu erhalten - das war für mich ein massiver Schock. Die Diskussion wurde heftig; ich will auch gar nicht leugnen, dass ich mich an der Eskalation beteiligt habe. Ich musste erkennen, dass Leute, die mir so nah waren, Leute mit Universitätsabschlüssen und Lebenserfahrung, in tiefster Überzeugung an Dogmen festhielten, die so gründlich und in allen Aspekten an der Realität gescheitert sind. Ganz egal, was ich tat - nichts konnte sie erreichen. Nicht meine früheren Artikel über die Homöopathie, nicht die trockene und nüchterne Analyse eines weiteren Freundes, der Naturwissenschaftler ist, nichts. Wohlgemerkt: Wir reden hier von Leuten, die als „Multiplikatoren" durchaus fähig sind, gesellschaftliche Wirkung zu entfalten. Der bittere Höhepunkt war für mich erreicht, als mir entgegengehalten wurde, ich stünde dem Gedankengut faschistischer/kolonialistischer Ausmerze nahe, weil ich darauf hingewiesen hatte, dass es der wirklichen Medizin gelungen ist, durch Impfungen so schreckliche Dinge wie die Pocken zum Verschwinden zu bringen. Unfassbar."

Auch ich habe durch mein Buch und die nun offene Diskussion einige Menschen verloren, die ich für Freunde hielt. Nicht etwa deshalb, weil Freunde keine andere Meinung haben dürften, um Freunde genannt zu werden, sondern weil das Ausmaß der Irrationalität in der Diskussion erschüttert. Menschen, die man für gut ausgebildet, im Leben stehend und des kritischen Denkens fähig gehalten hat, erstaunen einen mit einer überbordenden Emotionalität und auch Aggressivität bei einem an sich sachlichen Thema. Es gelingt nicht, die Homöopathie auf Ebene der Fakten zu diskutieren (wie wohl ähnlich beim Thema Impfen). Meinungen, Erfahrungen, Wissen und vermeintliches Besserwissen werden durcheinandergewirbelt, persönliche Angriffe auf die Person, liegen plötzlich ganz nahe, der Ton ist scharf und beleidigend, sarkastisch oder böse. Unter dieser emotionalen Keilerei verschwinden die eigentlich klaren und nicht wegzudiskutierenden Fakten: Es gibt seit 200 Jahren keinen Beweis für die arzneiliche Wirkung der Homöopathie und es steht nicht zu erwarten, dass ein solcher in Zukunft gefunden wird, da dies den bereits bekannten und bestätigten Naturgesetzen widerspräche. Diese Naturgesetze sind auch nicht etwa Erfindungen von gespinnerten Professoren im stillen Kämmerlein, die unsere schöne Welt grausam in kleine Bestandteile zeranalysieren. Sie sind die Beschreibung der Natur und ihrer Abläufe und Zusammenhänge, so, wie sie sind und wie wir sie als Menschen beschreiben können. Die Realität ist manchmal erstaunlich nüchtern und einfach. Das scheint die Gemüter zu erhitzen. Jeder der mehr fühlt, meint auch mehr Recht zu haben, wenn er seine persönliche Einschätzung zum Besten gibt - der andere kann also nur Unrecht haben in seiner Meinung und ist blöd.

Vergessen wird dabei, dass Fakten keine Meinung sind. Sie gelten für alle Menschen gleichermaßen.

Man kann natürlich sagen, die Fakten gefallen mir nicht, sie passen mir nicht und ich persönlich wünschte, es wäre ganz anders. Aber das ändert nichts an den Fakten.
Ich hätte auch gerne gehabt, dass das mit dem Potenzieren funktioniert und ich weiter an die Homöopathie glauben und weiter meine schöne Praxis führen und Patienten homöopathisch behandeln kann. Die Fakten aber zeigen: ist nicht. Auch wenn ich mich jetzt aufregen, die Fakten anklagen und auf die Wissenschaft schimpfen würde (was ich natürlich getan habe), ändert das nichts.

Manche Freunde scheint dies zu überfordern. Und dann steht man da mit seinen Fakten, möchte darüber eine offene Diskussion, einen Dialog, beginnen und wird übelst beschimpft. Das erregt dann auch Zorn und laute Gegenworte. Und schon schon sind alle weit weg von den Fakten und beharken sich mit Diffamierungen oder Assoziationen (am liebsten: man sei ja gekauft oder man sei ein Nazi). Schade ist das. Nicht nur wegen der zerbrochenen Freundschaften, sondern, weil so die Fakten letztlich unbeachtet bleiben.

Hier also noch einmal die Fakten zur Homöopathie (die nicht meine Meinung darstellen, sondern für alle gleich gelten):
  • Die Potenzierung liefert keine Energie oder Information
  • Wasser hat kein Gedächtnis 
  • Die Quantenphysik erklärt die Homöopathie nicht 
  • Die Verdünnung ab einer Potenz D6 ist zu groß um für eine physiologische Wirkung verantwortlich zu sein
  • Das Prinzip der Ähnlichkeit hat sich als nicht haltbar erwiesen
  • Die Lebenskraft können wir als Vorstellung akzeptieren, aber es wurde kein körperliches Äquivalent gefunden 
  • Die homöopathischen Arzneimittelprüfungen sind eine Ansammlung von menschlichen Denkfehlern und keine Prüfungen
  • Placebos haben eine physiologische Wirkung
  • Placebos wirken auch bei Tieren, Kindern, Babys 
  • Die Qualität des Therapeuten-Patienten-Kontakts kann Einfluss auf die Genesung haben 
  • Ebola kann mit Homöopathie nicht geheilt werden
Ich freue mich schon wieder auf die Zuschriften, die mich nach diesem Post erreichen werden.

PS Im Buch führe ich ca. 136 Quellen auf, um die oben genannten Fakten zu belegen.
PS2 Wer immer noch behaupten möchte, der Beweis für die Homöopathie würde in der Zukunft gefunden werden, der möge bitte dann aber konsequenter Weise auch dafür plädieren, die Homöopathie aus dem aktuellen Gesundheitssystem herauszunehmen, da dieses nunmal auf aktuellem Wissen basiert. 


Kommentare:

  1. Sehr schade, dass das Freundschaften zerstören kann.
    Erklären lässt es sich durch dieses Phänomen, die eigene Sichtweise und Ideologie extrem zu beschützen und dabei unlogische Konstrukte zu bilden.
    Man hat diese Sicht dann so tief verinnerlicht, dass man Angriffe persönlich nimmt und kann gar nicht mehr kritisch oder sachlich darüber nachdenken.

    So nimmt man dann vermutlich die Wissenschaftlichen Erkenntnisse als die Realität nicht ausreichend abbildend wahr und denkt schnell, dass der Widerspruch an unzureichenden Theorien liegt.
    Dass eine Homöopathie so etwas wie Magie oder andere Übernatürliche Konstrukte bräuchte, um zu funktionieren, ist bei nicht vollkommen verblendeter Sichtweise eigentlich klar.
    Homöopathie mit Quanteneffekten zu erklären ist etwa so wie eine Behauptung, man könnte durch bloß ausreichend viel Konzentration auf einen Zielort einen gezielten Quantentunneleffekt aller Atome im Körper auslösen und sich so wegteleportieren.


    Dass von Anhängern postuliert wird, dass die Wirkung noch gefunden werden wird, verstehe ich nicht ganz.

    Man hat hier massenhaft Studien, die eine mit Placebo Vergleichbare Wirkung beweisen und hin und wieder einige unseriöse Studien, die eine etwas bessere Wirkung als Placebo andeuten.

    Aber wo ist denn hier der Spielraum für eine Wirkung?
    Selbst wenn es den Naturgesetzen nicht widersprechen würde (und das befindet sich so etwa in der Wahrscheinlichkeit, dass es echte Harry-Potter-Magie gibt) fragt sich, warum sich die Wirkung dann so sehr vor den Studien verstecken sollte.

    Es ist ja eine Sache, keine wissenschaftliche Erklärung für ein Phänomen zu haben, aber eine ganz andere eine wissenschaftliche Erklärung für ein Phänomen zu suchen, das gar nicht existiert.

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    1. Leider absolut richtig. Nur sind die Homöopathen vermutlich so tief in der Homöopathie versunken, dass sie keine Argumente hören können. Wie gesagt, ich wollte ja, als ich die Homöopathie-Lüge gelesen hatte, ein Buch schreiben, das genau diesen blöden Kritikern mal sagt, was Homöopathie EIGENTLICH und WIRKLICH ist und kann. Ich war also voll drin und habe genauso "argumentiert". Nun wird mir genau das gleiche von den Homöopathen gesagt.

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    2. Der Unterschied ist vielleicht, dass ich, als ich dann angefangen habe nachzuforschen und nachzufragen, ziemlich schnell gemerkt habe, wer das eigentliche Problem hat...

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  2. Also wenn Kritik an der Homöopathie Freundschaften zerstört, schafft sie aber auch jede Menge neue! Ich für mich fühle mich auf meiner Seite jenseits des Unfugs sehr wohl!

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  3. Sehr geehrte Frau Grams Ich habe soeben Ihr Interview im aktuellen Stern entdeckt. Sie haben da ein lange überfalliges Buch mit sehr interessanten Thesen geschrieben, und mit ihrem Hintergrund werden Sie damit hoffentlich eine Diskussion auch unter Homöopathen auslösen. Sie irren in dem Interview allerdings in einem Punkt: Die Medizin ist definitiv keine Naturwissenschaft.

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    1. Lieber Johannes.
      Naja, sagen wir mal so: der Mensch ist Teil der Natur und dieser widmet sich die Naturwissenschaft. Klar ist die Medizin geschichtlich betrachtet auch eine Erfahrungsheilkunde, doch bedeutet das ja nicht, dass jetzt jeder seine persönliche Erfahrung reinbringen darf - nein, selbst Erfahrungen und Traditionen müssen sich mit naturwissenschaftlich möglichen Methoden messen/bestätigen lassen. Womit wir dann wieder bei der Naturwissenschaft sind. Auch wenn Herr Hoppe da gelegentlich die eigene Erfahrung drüber gestellt hat;-)

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