Sonntag, 1. November 2015

Nachtcafé Talk und Reaktionen von Homöopathen

Meine Anwesenheit im Nachtcafé Talk hat wieder mal für einigen Wirbel gesorgt. Ein paar Rückmeldungen möchte ich hier gerne (anonymisiert) veröffentlichen, um zu zeigen, auf welchem Stand sich die Diskussion befindet. Die Orthografie habe ich so belassen. Während ich mich am Anfang bemüht habe, jede auch noch so beleidigende Email zu beantworten, sehe ich mich dazu mittlerweile außerstande; man möge mir verzeihen.



"...habe Sie im Nachtcafe gesehen und gehört. Nun, in Ihrem Gesicht lag ein gewisser "Stachel", ein Stück "Nichtliebe". Irgendetwas muss doch passiert sein... (...) Die Zuwendung spielt bei der Heilung natürlich eine gorße Rolle -aber - Homöopathie wirkt auch ohne! Basta! Das ist bewiesen.
In 50 Jahren oder in 100... lachen alle über die heutigen Homöopathie-Zweifler! Dann weiß man mehr, so wie das immer war und ist in der Schulmedizin. Heute weiß man ja schon, dass durch das Potenzieren Heilschwingungen weitergegeben werden,die materiell nicht mehr nachweisbar sind. Das reicht als Heilungsanstoß. Selbst vielfach erlebt bei meinen Patienten und meiner Familie!
Wie gesagt, irgendetwas muss doch passiert sein... in Ihrem Leben. Schlafen Sie noch mal drüber! Sie sind doch gescheit!"

"...ich sah gerade "Nachtcafe". So habe ich Sie persönlich sprechen hören. Ich hätte vieles davon widerlegen können. Beim Einspann kam "Gleiches werde mit Gleichem geheilt". Es sollte sein "Ähnliches werde mit Ähnlichem geheilt". Wobei ich weiß, daß der Patient heilt, nicht der Therapeut, auch nicht die Psychosomatik, die Homöopathie etc.. Als Homöopathin bin ich Begleiterin. Die Mittel sind Begleiter."

"Da irren sie sich aber gewaltig ist ihnen das Geld ausgegangen"

"Ich kann nur sagen, Sie haben von der Homöopathie nichts verstanden und werden dies innerhalb Ihres schmalen und pseudowissenschaftlichen Weltbildes auch in der Zukunft nicht. (...) Stattdessen breiten sie hier Ihren eigenen Konflikt innerhalb Ihrer Halbweisheiten und mangelnden Kenntnissen aus, den Sie besser demütig mit sich selbst bereinigen sollten."

"Bin Patient und bin Therapeut und habe eine Gruppe von Ärzten und Therapeuten und auch Heilpraktiker um mich.Es tut mir leid das sie trotz Ihrer Entwicklung das Beste verpaßt haben ! Es gibt etwas zwischen Himmel und Erde das sie nicht verstanden haben. Sie sind öffentlich und ihre Praxis lief schlecht und sie haben zu kurz gearbeitet und haben nichts gelernt ! Sie hatten keine Erfolge ,nach zweieinhalb Jahren haben sie noch nichts lernen können ! Sie benutzen die Öffentlichkeit für Ihre Reputation und versuchen Ihre Schwächen des Mißerfolges auszugleichen ! Es tut mir leid ,sie haben leider versagt ! Vielleicht denken sie an den Spiegel der Ihnen vorgehalten wird ! Ihre Aussagen waren schach und ihre Argumente ebenso ! Lernen sie auch als Kassenärztin ! Oder was sie noch werden wollen ! Man braucht Durchhaltevermögen um sein Ziel zu erreichen ! (...) Ich bin aktiv als Dozent und schule Erfolg !Sie müssen das erst lernen !"


Liebe Homöopathen. Ihr könnt mich blöd finden, Ihr könnt mich beschimpfen und Ihr könnt anzweifeln, dass ich jemals eine "richtige" Homöopathin war - aber das ändert alles nichts daran, dass die Homöopathie große Probleme hat:

  1. Sie ist unplausibel und steht im Widerspruch zu gut bestätigten Aussagen der Physik und anderen Naturwissenschaften. Unser Wissen über Atome und Moleküle ist mit der Behauptung, dass durch das Schütteln bei der Potenzierung Energie entstünde oder übertragen würde, nicht vereinbar. Dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern!
  2. Die Studienlage ist äußerst umfangreich und kann dennoch nicht eindeutig zeigen, dass die Homöopathie über ein Placebo hinaus wirkt. Hier brauchen wir auch nicht mehr Forschung. Wo nichts ist, kann nichts wirken. 
  3. Ganz banale medizinische und psychologische Phänomene (Placebo, Regression zur Mitte, natürliche Genesung, Zufall, Suggestion...) erklären die Erfolge der homöopathischen Behandlung völlig ausreichend.
Ich habe wirklich immer noch die naive Hoffnung, dass einige von Ihnen das interessieren könnte, so wie es mich interessiert hat, als ich im Zuge meiner Recherchen zum Buch darauf gestoßen bin.

Kommentare:

  1. Na, das Verhalten von den betreffenden Kollegen - oder man sollte hier besser von "Kollegoiden" sprechen - ist doch nichts neues. Es wird das Bein gehoben und ausgegrenzt. Wie amüsant. Es deckt sich mit meinen Erfahrungen. Ein erschreckender Mangel an Verständnis für die Notwendigkeit logischer Plausibiltät.

    Selbsttäuscher und Geschäftemacher.

    Sehr amüsant - mehr davon.

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  2. Mein Gott, sind die dämlich. Ich finde es gut, diese arrogante Dummheit einmal öffentlich vorzuführen.

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  3. Wer nicht weiß, muss halt alles glauben. Aber das will er vermutlich auch, sonst würde er sich ja informieren. Das ist aber vielleicht anstrengend, denn man muss ein wenig denken. Vielen Dank für Ihre Informationen, Frau Grams. Es war die beste Talk-Sendung seit Jahren. Endlich auch sachliche, klare Worte, die eindeutig plausibler sind als Gerede à la "Mein Hund sucht sich selbst die Bachblüten aus, die er dann braucht...." Ein sehr gutes Schlusswort von Ihnen, Frau Grams. Wir wissen, wo es krankt - am Gesundheitssystem. Genau da müssen wir ansetzen, damit sich etwas zum Besseren verändert, für die Patienten und die Ärzte. Dieses Gesundheitssystem rechtfertigt aber auf keinen Fall, dass Scharlatane und falsche Heilsversprecher leichtgläubige Verbraucher einlullen und über den Tisch ziehen. Alternativmedizin ist nur dann eine Alternative für Medizin, wenn keine erforderlich ist.

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  4. Oje, die Reaktionen waren zu erwarten: "Ich bin ein Dozent", und deshalb hätte ich Ahnung von irgendwas...

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  5. Ich hab´s mir angesehen, hab mich bins zur Hälfte der Sendung gefragt, warum sagt da niemand was? Warum läßt man die Leute mit ihren Einzelfällen so ein Angstgebäude aufbauen? Und dann die Rütting, im Einspieler mit sanfter Sphären-Musik unterlegt, die erklärt ihr gänge es gut weil sie nicht zum Arzt geht, und satt Medizin lieber ihre Streicheleinheiten beim Osteopathen bezahlt haben will. Frau Rütting hat bis vor kurzem im Nachbarort gewohnt, und ich hab gar nichts dagegen, dass sie offenbar nun fortgezogen ist. Genauso wie Frau Rütting ihren Gesundheitszustand auf Pseudotherapien zurückführt hätte man im übrigen Herrn Helmut Schmidt hinstellen können und über die gesundheitlich postiven Wirkungen des Tabakkonsums referieren lassen können. Es sagt einfach nichts aus.
    Und über die halbe Sendung hinweg fragt man sich, warum lässt man die alte Dame so schwafeln? Bis sie es ihr dann erklärt haben, in einfachen klaren Worten, vielen Dank dafür.

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    1. Ich war mir so oft unsicher, ob ich die alte Dame unterbrechen soll. Ob das gut genommen wäre, auf ihre Phrasen einzugehen, oder ob es sie verstärkt hätte... Nunja, nun ist es so gelaufen. Danke für Ihre Rückmeldung

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    2. Sehr geehrte Frau Grams,

      Sie haben alles richtig gemacht. Hätten Sie Frau Rütting unterbrochen oder ihr widersprochen, würde das drei Folgen gehabt haben: Sie wäre energischer geworden und hätte ausschweifend und ausweichend weitere Anekdoten und Phrasen von sich gegeben, ihr wäre ihr jemand, eventuell der Moderator, aus der Runde wahrscheinlich mit ad hominem Attacken gegen Sie und weiteren "Schulmedizin"-Gerede beigesprungen und im Publikum wäre sie zu einem stärkeren Sympathieträger geworden.

      Frau Rütting irrt. Sie hatte Glück dabei. Mit etwas Pech wäre sie jetzt blind, weil sie mit einem Katarakt nicht zum Arzt gegangen wäre. Alter ist nicht das gleiche wie Weisheit und Fachkompetenz ist wichtiger als Lebenserfahrung, die ja eben auch aus falschen Schlüssen bestehen kann.

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    3. Absolut. Natürlich einerseits verständlich, dass solche Runden von schrillen aber irgendwie strahlenden Persönlichkeiten leben, die dann aber jeden Nonsens von sich geben können!
      Danke in jedem Fall für Ihre freundliche Rückmeldung

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  6. Waren das wirklich alles Homöopathen? Der mit dem Geld muss ein Troll sein.

    und der mit "....Heilschwingungen weitergegeben werden,die materiell nicht mehr nachweisbar sind. Das reicht als Heilungsanstoß. Selbst vielfach erlebt [...].Sie sind doch gescheit...." schießt ja wahrlich den Vogel ab.

    "Heilschwingungen"...WTF!

    Der sollte mal in die Schweiz zu einem Schwingerfest reisen, da würde er wohl mal mit Schwingungen auf dem Hinterkopf geheilt. Fördert das Denkvermögen..... "Heilschwingungen"... *facepalm*

    Bei so viel Naivität ist es schon bedenklich, dass solche Typen als "Heiler" auf die Menschheit losgelassen werden.

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  7. Danke für den Einblick! Mann, Mann, Mann...
    Grüße
    R. Wagels

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  8. In den oben angeführten Reaktionen findet sich ein netter, ungewollter Verbesserungsvorschlag für die Homöopathie:

    "Gleiches werde mit Gleichem geheilt". Es sollte sein "Ähnliches werde mit Ähnlichem geheilt".

    Wäre "gleich" nicht wesentlich besser und spezifischer als "ähnlich"?

    Ich bin immer geschockt wenn sich zeigt, die Fürsprecher der Homöopathie haben sich seit Jahrzehnten nicht einmal damit beschäftigt etwas zu hinterfragen. Und feuern dann ein hochpeinliches Bullshit-Binigo der dümmsten Argumente ab.
    Traurig, für mich auch deshalb, weil ich naiverweise annehme, man sollte sich doch auf eine solche Sendung vorbereiten...

    Danke an Fr.Grams sich das anzutun.

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  9. Es überrascht mich nach all der Zeit immer noch zu sehen, wie viele Parallelen zwischen der Alternativmedizin und dem dogmatischen religiösen Glauben existieren. Auch beim religiösen Glauben zählen die eigenen "Erfahrungen" als Bestätigung des Glaubens, überprüfbare naturwissenschaftliche Erkenntnisse, die in direktem Widerspruch zum geglaubten stehen werden konsequent ignoriert, da diese mit den eigenen "Erfahrungen" kollidieren, es werden nur noch Informationen wahr genommen, die den Wunsch nach der Korrektheit des geglaubten unterstützen. Eventuelle Kritik oder Korrekturen werden damit abgetan dass man dem anderen einfach unterstellt, er habe es nicht verstanden oder sich verführen lassen.

    Auch hier scheinen die Immunisierungsstrategien gegen Kritik das gleiche Schema zu zeigen. Anstatt die nachvollziehbaren Argumente zu untersuchen wird einfach demjenigen, der es gewagt hat dieses zu tun unterstellt, er wäre halt finanziell erfolglos gewesen (sic) , unerfahren und hätte es einfach nicht verstanden. Die eigenen Aussagen der entsprechenden Person werden dabei vorsorglich als falsch abgetan. Ein Nachdenken über die vorgetragenen Punkte wird als Verrat angesehen, denn die Möglichkeit, dass man sich täuscht und andere das erkannt haben wird kategorisch ausgeschlossen. Was soll man allerdings von einer Therapieform halten, die ihr eigenes Scheitern per se von vornherein ausschließt?
    Natürlich darf auch das schon beinahe verzweifelnd anmutende "Die Wissenschaft wird es schon noch irgendwann erklären" nicht fehlen. Dabei ignoriert man nur leider komplett, dass die heute vorhandenen Erkenntnisse der Wissenschaft vollkommen ausreichen um zu erklären, warum es nicht funktioniert. Aber das es nicht funktioniert will man nicht ja wahr haben, denn schließlich hat man ja seine eigenen Erfahrungen. Genau wie Loch Ness-Anhänger , Ufologen, Big Foot Gläubige etc., entsprechen die Erklärungen nicht den eigenen Erwartungen müssen sie falsch sein. Diese Menschen wollen nicht überzeugt, sondern bestätigt werden.

    Wären sich Homöopathiebefürworter wirklich so sicher, wie sie es selber behaupten wären sie genau wie Kritiker gesprächsbereiter. So bleibt es leider dabei, dem anderen die Reputation abzusprechen und sein Nahrungsrevier zu verteidigen.

    Eine gute Sendung, auch wenn mir persönlich viel zu viel auf einzelnen Erfahrungsanekdoten herumgeritten wurde. Aufklärung war immer schon ein schleichender Prozess.

    Gut geschlagen und nein, ein Stachel war dort nicht zu sehen, eher ein aufgeweckter Blick.

    „Sie sind doch gescheit!“ Und Sie? Sind Sie gescheiter?

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  10. Hier noch ein schöner Nachtrag. Kommunikation von Homöopathinnen über mich (an mich weitergelotet in Kopie):
    Ich erinnere mich an den Artikel über diese Frau Dr Grams (war der im Stern?), aber ich kann ihn auch nicht so recht nachvollziehen. Die Frau ist wohl total überfordert, hat bestimmt viele Kommentare erhalten, sicher meist von Homöopathen, die nicht verstehen, wie man, trotz Erfolgen, plötzlich meint, alles sei Placebo-Effekt... ja, dann ist es bei Pflanzen, Tieren, Babys auch nur Placebo, die werden nur gesund, weil sie dem Homöopathen eine Freude machen wollen...

    So wie ich noch nie gehört habe, dass jemand vom Impfkritiker zum Impfbefürworter geworden ist, habe ich auch noch nie gehört, dass einer von der Homöopathie abgefallen ist. Wenn man einmal verstanden hat, dass die Erde keine Scheibe ist, kommt man doch nicht mehr auf den alten Glauben zurück, oder?

    Die Frau ist abweisend, hat vielleicht kein gutes Gewissen. Fast könnte man meinen, sie wurde von der Pharma-Industrie bezahlt... Bei der ist Hopfen und Malz verloren. Ich glaube nicht, dass bei ihr noch Einsicht möglich sei...

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    1. Warum muss es immer auf Verschwörungstheorien hinauslaufen? Und warum kommt immer wieder dieser unsinnige Hinweis auf Pflanzen? (Herzlichen Dank, Herr Baumgartner)

      Die Dame hat noch nie gehört, dass jemand vom Homöopathiebefürworter zum -kritiker geworden ist? Oder vom Impfkritiker zum -befürworter?Dann scheint sie nicht zuzuhören. Oder nicht zuhören zu wollen.

      Und wieder das gleiche Bild. Ignoriere die Argumente, konzentrier Dich auf den Messenger. Deutlicher kann man Verunsicherung eigentlich nicht zeigen.

      Warten wir den 09. November ab und hoffen, dass dieses auch bei uns mal in Angriff genommen wird.

      http://www.fda.gov/Drugs/NewsEvents/ucm430539.htm

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  11. Ich hätte an dieser Stelle bitte noch eine Verständnisfrage. Laut dem Arzneimittelgesetz können Homöopathika entweder registriert oder zugelassen werden. In der Wikipedia steht, dass beim Registrieren die "Indikation durch klinische Studien oder anderem wissenschaftlichen Erkenntnismaterial" belegt werden muss.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Hom%C3%B6opathisches_Arzneimittel#Deutschland

    Genaueres habe ich dann noch in folgender Tabelle des Bundesinstituts gefunden:

    http://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/zul/zulassungsarten/besTherap/amAnthropo/Kriterien.html

    Was mir nicht klar ist: Werden für die Zulassung von Homöopathika qualitativ weniger gute Studien gefordert als für richtige Arzneimittel? Und wenn ja, warum?

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    1. Albrecht Bodegger2. November 2015 um 11:59

      Um das nochmal zu verdeutlichen: Drei Viertel der homoöpathischen AM sind 'nur' registriert, und deshalb ist dafür eine Indikation weder belegt noch angegeben.

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    2. Das ist sicherlich nur eine Verwechslung oben, aber dennoch: Registrierte Homöopathika brauchen keinen Nachweis, zugelassene jedoch schon. Wie der aussieht, weiß ich leider auch nicht.

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    3. Danke, Herr Becker, ich hatte "registriert" und "zugelassen" verwechselt. Habe ich weiter unten richtiggestellt.

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    4. Die Homöopathie wird leider seit 1997 als "Besondere Therapieform" angesehen und unterliegt einem Binnenkonsens. Das bedeutet, dass Mitglieder eines bestimmten Personenkreises selber entscheiden können, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse dafür relevant sind. Was wiederum bedeutet, dass sie keinen Nachweis dafür erbringen müssen. Bis '97 war der ursprüngliche Wortlaut "Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden dürfen in der vertragsärztlichen und vertragszahnärztlichen Versorgung zu Lasten der Krankenkassen nur erbracht werden, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss ... Empfehlungen abgegeben hat über 1. die Anerkennung des diagnostischen und therapeutischen Nutzens der neuen Methode sowie deren medizinische Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit - auch im Vergleich zu bereits zu Lasten der Krankenkassen erbrachte Methoden - nach dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse ". Dieser Satz wurde dank einer CDU Abgeordneten um den Zusatz "in der jeweiligen Therapierichtung" ergänzt, was jeder alternativmedizinischen Spielart einen Freifahrtschein einräumt. Denn ab dem Zeitpunkt konnten die "Experten" der jeweiligen Therapierichtung selber entscheiden, was Wirksam ist und was nicht. Studien werden dann nicht mehr benötigt, um ein Medikament dieser Therapierichtung zuzulassen. Oder anders ausgedrückt (Wiki):
      "Der Arzt kann sie bei schwerwiegenden Erkrankungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen, „sofern die Anwendung dieser Arzneimittel für diese Indikationsgebiete nach dem Erkenntnisstand als Therapiestandard in der jeweiligen Therapierichtung angezeigt ist.“

      Der deutsche Ärztetag hatte dieses 1997 massiv kritisiert und verlangte, dieses wieder rückgängig zu machen und die Privilegierung aufzuheben. Leider erfolglos.

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  12. Vielleicht hilft uns hier der ehemalige Präses der BKV Prof. Vilmar weiter - aus einem lustigem persönlichem Gespräch, welches ich unlängst führte.

    http://www.aerzteblatt.de/archiv/74317/Das-Gespraech-mit-Prof-Dr-med-Dr-med-h-c-mult-Karsten-Vilmar-Ehrenpraesident-der-Bundesaerztekammer-Die-Aerzteschaft-muss-sich-in-die-Gesundheitspolitik-einmischen

    Er erzählte mir von der unangenehmen Begegnung mit Frau Carstens, welches in die letzte Amtsperiode von Carl Carstens stattfand. Stundenlang habe Frau Carstens auf ihn eingeredet. Der damalige Gesundheitsminister Geissler wollte die "Alternative Medizin" auch nicht kategorisch ablehnen. Man verschob die Zuständigkeit auf "die Länder" und beauftragte ihn, Vilmar, bei den Ländern (!) für eine Entscheidung zu sorgen, ob "Alternative Medizin" mit in den Katalog käme. Dann wurde Vilmar richtig zornig: "Was heißt hier "Alternative Medizin"? Alternative kann nur sein, ob ich einen Knochenbruch konservativ oder mit Schrauben behandle! Alles andere ist "Wirkungslose Medizin" und darf sich doch nicht als alternativ bezeichnen!"

    Dann kamen noch Worte zum Heilpraktikergesetz ("Das kriegen Sie nicht weg in Deutschland. Weil zu viele Politiker zum Heilpraktiker rennen.") und viele guten Wünsche für ein Wochenende.

    Wenn CAM also "Ländersache" ist, dann brauchen wir Informationen von der Gesundheitsministerkonferenz. Vorsitzende ist Frau Bätzing-Lichtenthäler:

    https://www.youtube.com/watch?v=XkjiuQpJ-SI

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  13. Albrecht Bodegger2. November 2015 um 11:52

    Meiner Meinung nach liegt das Problem im folgenden Satz von §25 AMG: "Die medizinischen Erfahrungen der jeweiligen Therapierichtung sind zu berücksichtigen." Wenn ich das richtig sehe, werden teilweise gar keine Studien zur Zulassung von homöopathischen AM gefordert, oder zumindest keine hochwertigen, sondern es reicht mehr oder weniger die Berufung auf 'homöopathische Arzneimittelbilder' aus. Vielleicht kann sich hierzu mal jemand äußern, der sich mit der Zulassung von homöopathischen Arzneimitteln gut auskennt? Würde mich auch interessieren. Übrigens: Die Indikation muss nur für die Zulassung belegt werden, eben nicht beim Registrieren. Bei registrierten homöopathischen AM ist deshalb gar keine Indikation angegeben.

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  14. Eine gute Frage! Es wird hier tatsächlich mit zweierlei Maß gemessen- die Homöopathika müssen zwar sicher hergestellt sein aber sie müssen nicht belegen, dass sie wirken.
    Dieser Frage geht übrigens das nun erscheinende Buch "Der Glaube an die Globuli" sicherlich intensiver nach als mein Buch.
    Aus der PM: "Die Frage, ob die politisch gewollte Doppelgleisigkeit in der Bewertung der Homöopathie und der Schulmedizin aus ethischen Gründen gerechtfertigt werden kann, beantwortet er mit Nein – und sieht den Gesetzgeber in der Pflicht. Denn hier werde, so Schmacke, „mit zweierlei Maß gemessen“. Der Bremer Gesundheitswissenschaftler kritisiert, dass der Gesetzgeber die Homöopathie für die Behandlung von Erkrankungen bereits dann legitimiert, wenn ihre Vertreter dies für ausreichend begründet halten (‚Binnenkonsens‘) und eine entsprechende Nachfrage unter Kranken (‚Akzeptanz‘) besteht. „Derart unterschiedliche Maßstäbe im Vergleich zur so genannten Schulmedizin sind unter dem Gesichtspunkt des gesundheitlichen Verbraucherschutzes ethisch nicht verantwortbar“, sagt Schmacke. „Der Glaube an die Wirkung von Globuli reicht nicht“."

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  15. Die Ärztekammern dürfen keine "Fortbildungen" mehr in diesem Bereich anbieten. Hier brauchen wir eine klare und scharfe Abgrenzung von seiten der Politik. Prof. Karl Lauterbach hat sich übrigens despektierlich zur Homöopathie geäußert. Daraufhin bekam sein Büro einen Riesenstapel Post von wütenden Glaubensanhängern. Diese füllen zwei pralle Leitz-Ordner. Seitdem gibt es zu diesem Thema im politischen Berlin einen Maulkorb. Kritik an CAM kostet WÄHLERSTIMMEN und senkt die Steuereinnahmen. Comprende?

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  16. Das verrückte dabei ist ja, dass mit dem Binnenkonsens nicht nur die Wirksamkeit behauptet wird sondern die vollkommene Nebenwirksfreiheit gleich mit.

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    1. Albrecht Bodegger2. November 2015 um 13:35

      Also was die Nebenwirkungsfreiheit angeht, gibt es meiner Meinung nach tatsächlich einen breiten Konsens über alle Lager hinweg, bei Homöopathen und selbst bei den homöo-phobsten Nicht-homöopathen ;-) Von einigen niedrigen Potenzen bestimmter Substanzen mal abgesehen, denn die sind nicht ohne Grund teilweise sogar verschreibungspflichtig.

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    2. Die Nebenwirksfreiheit ist von unserer Seite aus darin begündet, dass in einem Homöopathikum nichts drin ist, was wirken und dementsprechend nebenwirken kann. Von Seiten der Homöopathen ist es Dogma. Aber wie sieht das der Gesetzgeber? Wenn man mal für einen Moment annimmt, dass der Gesetzgeber von einer Wirksamkeit über Placebo (mit welchem Wirkmechanismus auch immer) ausgeht muss man sich doch fragen wie er dann mögliche Nebenwirkungen einfach ignoriert?

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  17. Vielen Dank für die Antworten! Herr Dr. Bertelsen, mir war schon klar, dass auf die Politik Einfluss genommen wurde, als es um die Beurteilung der "Alternativen" Medizin ging.

    Ich habe übrigens noch einen Fehler in meinem Beitrag. Richtig heissen muss es: "Bei der Zulassung muss die Indikation durch klinische Studien oder anderem wissenschaftlichen Erkenntnismaterial belegt werden, nicht beim Registrieren".

    Registrieren ist also sehr einfach, bei der Zulassung muss man wohl differenzieren. Laut der Tabelle des Bundesinstitus für Arzneimittel und Medizinprodukte wird dabei unterschieden nach dem Schweregrad der Erkrankung, dem Therapieziel und ob eine Begleit-Therapie vorliegt. Aus der Statistik geht leider nicht hervor, in welcher Kategorie die Homöopathika zugelassen wurden. Insgesamt sind es 185 zugelassene, 1058 wurden nachzugelassen:
    http://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/zul/zulassungsarten/besTherap/statistik/_node.html

    Laut der Tabelle kann zum Beispiel ein homöopathisches Präparat für mittelschwere Krankheiten auch ohne klinische Studien zugelassen werden, wenn lediglich eine Begleittherapie vorliegt. Ich vermute, solche Ausnahmen werden für normale Arzneimittel nicht gemacht.

    Interessant wird es, wenn es um die Behandlung von lebensgefährlichen Krankheiten ausschliesslich mit Homöopathika geht. Dort werden dann mindestens 2 klinische Prüfungen guter Qualität gefordert. Ich frage mich, ob eine solche Zulassung jemals erfolgt ist.

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  18. Hier ein Kommentar, der sich leider nicht automatisch posten ließ von Elke Reihl vom RatgeberNewsBlog, deshalb setze ich ihn manuell ein:

    Insgesamt war die Nachtcafé-Sendung, bis auf Frau Grams, eine Vollkatastrophe. Eine absolute Zumutung für Skeptiker und die totale Verarsche und übertriebenste Angstmache für Zuschauer.

    Barbara Rütting ist schon seit Jahrzehnten als naive Eso-Tante und Verschwörungsanhängerin, die selbst Sekten wie das "Universelle Leben" bewirbt und verteidigt, wenn es zu ihrer Einfalt passt, bekannt und unerträglich. Dass ihr ein so großes und unwidersprochenes Forum geboten wurde, ist ein echter Skandal.

    Sie nannte sogar "Urchristen", die ihre liebste Naturklinik betreiben. Damit meinte sie die Naturklinik des Universellen Lebens in Michelrieth, wo sie auch seit ein paar Jahren selbst wohnt.

    Das Dorf Michelrieth im Spessart ist der Hauptsitz der Sekte.

    Von 1999: "... Michelrieth, überwiegend evangelische Gemeinde im Spessart, muss schon seit mehr als zehn Jahren mit der Sekte dem UL leben. Es fing damit an, dass 1986 UL-Ärzte ein altes Klinikgebäude im Dorf übernahmen und es als Naturklinik "für Leib und Seele" ausbauten. Mittlerweile ist mehr als die Hälfte des Dorfes von der Sekte besetzt. Kaum ein Haus im Neubaugebiet des 800-Seelen-Dorfes, das nicht vom UL aufgekauft oder angemietet ist. Mitten durch das Dorf geht die Sektenlinie. Hier die Neubauten der UL-Schwestern und -Brüder, dort die Höfe der alten Dorfbewohner.

    Was einige der alten Dorfbewohner besonders schreckt: Inzwischen macht sich die Sekte auch im Dorfkern breit. UL-Wohngemeinschaften werden demnächst im Neubau neben der Dorfgaststätte einziehen, dort, wo früher ein altes Gehöft gestanden ist. Und neben dem evangelischen Friedhof hat die Sekte Senioren angesiedelt ..."

    Zur Klinik:
    "Über die Klinik in Michelrieth heißt es in der Internet-Seite der Kirchengemeinde: Sie soll "das von der Prophetin offenbarte Gesundheitskonzept in die Tat umsetzen". Danach beruht Krankheit im wesentlichen auf "falschem Denken". "Menschliche Schuld und Versagen werden nach der Lehre des UL in der gigantischen 'Buchhaltung Gottes' gespeichert und fallen in der Form von Krankheiten oder Schicksalsschlägen wieder auf die Schuldigen zurück."

    Kaum ein Leiden, das in der "weltweit ersten Christusklinik" nicht behandelt wird. Ein Schreiben des Gesundheitsamtes hat entscheidend dazu geholfen, dass aus der Kurklinik ein Allgemeinkrankenhaus geworden ist, die auch "akutstationäre Krankenbehandlung" anbieten darf. Beamte und deren Angehörige bekommen seither über die Beihilfe 50 bis 80 Prozent der Kosten in der sogenannten Christusklinik erstattet ... "

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  19. Teil 2: Auf der Seite http://www.michelrieth.de/sekte3.htm gibt es noch sehr viel mehr zur Sekte zu lesen und Artikel zur Klinik, Rütting und UL gibt es auch bei PSIRAM.

    https://www.psiram.com/ge/index.php/Universelles_Leben

    https://www.psiram.com/ge/index.php/HG_Naturklinik_Michelrieth

    https://www.psiram.com/ge/index.php/Barbara_R%C3%BCtting

    "... Auch Medikamente, die nicht aus der Natur stammen, werden als schädlich betrachtet. Sie werden mit Drogen, Alkohol und Nikotin gleichgesetzt, die nach UL-Verständnis "in unterschiedlicher Weise die Körperstruktur" verändern sollen. Wenn allerdings die Einnahme von Medikamenten unumgänglich ist, sollten diese besser zuvor in "eine höhere geistige "Schwingung" gebracht werden.[6] Eine ähnlich skeptische Bewertung gilt entsprechend auch für Impfungen, "weil dahinter natürlich ein mangelndes Vertrauen zur Führung durch Gott steckt". Nach UL-Offenbarung liegt in der Inanspruchnahme medizinischer Behandlung die Gefahr, dass die sich in der Krankheit äußernde Schuld einfach verdrängt werde, was sich letztendlich als wenig hilfreich erweisen soll. Der beste Arzt sei der "innere Arzt", bzw. letztendlich Jesus.[7]
    Bei schweren Erkrankungen soll u.a. dies helfen:
    "Bei Gehirntumoren und Geistesschwäche sollte der Mensch gerade in kühlen Tagen und bei großer Hitze eine Kopfbedeckung tragen. [...] Wesentlich ist auch, dass solchen Heilung-Suchenden viel Ruhe zuteil wird. Morgendliche Waldspaziergänge, besonders in sehr waldreicher Gegend, sind ebenfalls anzuraten, auch eine morgendliche Meditation, für die sich der Patient nach Osten ausrichtet".[8]
    "Geisteskranke, Epileptiker und Menschen mit Tumoren sollten sich dagegen auf Wasseradern legen, jedoch nur auf solche, die von Norden her fließen [...]".
    "Menschen mit schlechter Verdauung greifen gedankenlos zu Medikamenten. Ihnen könnte oftmals das Verweilen auf bestimmten, unschädlichen Wasserkreuzungen dienlich sein. Solche segensreichen Kreuzungen befinden sich beispielsweise dort, wo ein Schwarm Mücken tanzt. [...] Auch an Stellen, an denen sich große Ameisenberge befinden, kreuzen sich gutartige Wasseradern. Dort entstehen sehr viele Dämpfe und Schwingungen von Ameisensäure. Diese beeinflussen positiv das Sonnengeflecht und tragen zur seelischen und körperlichen Aktivität bei. Sie beeinflussen auch heilbringend das Blutbild und stählen die Nerven. Dieses Vorgehen wäre auch bei Krebserkrankungen zu bejahen."[9]
    "Bei einer Krebserkrankung, insbesondere bei Lungenkrebs, wäre ein Tee aus ganz jungem Tannenspross angezeigt, der noch den Morgentau und damit hohe Ätherkräfteträgt. Diesen Tannenspross setze 1-2 Stunden lang mit gutem, nicht kohlensäurehaltigem Mineralwasser an. Dann lasse ihn kurz aufkochen und trinke tagsüber 2-3 Tassen lauwarm, schluckweise, nicht gezuckert. Bei Krebserkrankungen können auch Moor- oder Lehmbäder Linderung und Heilung bringen".[10]

    https://www.psiram.com/ge/index.php/Universelles_Leben#Fragw.C3.BCrdige_therapeutische_Empfehlungen

    Dr. Frank Wittig ist als Pharma- und Medizinbetriebverschwörer auch längst bekannt. Er produziert natürlich viel heiße Luft und seine Verallgemeinerungen und Übertreibungen sind unverantwortlich und für Kranke gemeingefährlich.

    http://www.spektrum.de/rezension/die-weisse-mafia/1194986

    Der Rest an schrecklichen Anekdoten, ohne jegliche Belege oder Aussagen der angegriffenen Ärzte, die zu Pauschalverurteilungen hochstilisiert wurden, kann man gar nicht kommentieren. Das war nur unmöglich.


    Frau Grams, Sie waren da wirklich fehl am Platz und haben das Beste aus ihrer Teilnahme an dieser Verschwörungsrunde gemacht. Sie kommen zudem absolut authentisch und sehr sympathisch rüber.

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    1. Ich möchte bitte sehen, wie jemand auf einem Ameisenberg oder in einem Mückenschwarm steht. Oder stellt man dort ein Bett drüber?

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  20. Dem schließe ich mich an.
    Vielen Dank auch für die Informationen über die Urchristen. Meine Güte, was für ein Blödsinn.

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  21. Angebot und Nachfrage!

    Wenn Sie heute in Bayern eine Praxis eröffenen wollen, wird Ihnen nahegelegt, auf jeden Fall ein "ganzheitliches", resp. esoterisches Profil zu bedienen. Warum? Meine These hier auf Seite 63:

    http://www.dr-bertelsen.de/documents/Bohren-ohne-Reue-Teil-1_2.pdf

    Nicht ohne Grund finden sich in Bayern über 300 Sekten.

    Frau Rütting ist nicht nur aus diesem Grunde diejenige, die in ihrem biblischen Alter nicht mit abfälligen Worten und Projektionen bedacht werden sollte. Wer mit 87 Jahren so vor Kraft strotzt, verdient zuallererst meinen Respekt. Auch sie unterliegt in ihren medizinischen Ansichten lediglich einer Selbsttäuschung und befindet damit sich in allerbester Gesellschaft.

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    1. Ich denke, mit dem Begriff "Selbsttäuschung" beschreiben Sie die Situation sehr gut. Das ist ja auch hier schon in anderen Beiträgen angeklungen. Die Evolution hat unsere Denkmuster so angelegt, dass das intuitive "magische Denken" auch im Erwachsenenalter andere Formen der Erkenntnismöglichkeit überlagert. So wird in unserer subjektiven Wahrnehmung aus Korrelation dann sehr schnell Kausalität. Naturwissenschaftliches, rationales Denken ist per se zweifelnd, anstrengend und im sozialen Kontext nicht sehr beliebt. Hat es doch auch so spröde Inhalte wie Mathematik und Statistik als Grundlage.

      Deswegen ist auch Frau Rütting nicht zu verdammen. Sie konnte vielleicht gar keinen anderen Weg gehen. Und irgendwann ist es auch schwierig, alles was man in seinem bisherigen Leben investiert hat, über Bord zu werfen, nur um sich einer objektiven Wahrheit anzunähern. Was ich jedoch beobachte, dass "magisches Denken" oft einhergeht mit Narzissmus.

      Denn magisches Denken und Handeln ist auch eine Art Selbstermächtigung, sich über die Grenzen und Banalitäten der "materialistischen" Welt hinwegzusetzen (Pippi Langstrumpf-Prinzip: Ich mach mir die Welt so wie sie mir gefällt).

      Glaube, der streng genommen immer Aberglaube ist, wirkt zusätzlich stabilisierend auf solche Denkmuster. Der Mensch wird sich solchen Denkmustern nie ganz entziehen können oder wollen. Das ganze wird aber ideologisch, wenn eine Selbstimmunisierung gegen skeptisches Denken - oft praktiziert in Gruppen - einsetzt.

      Oft kann nur ein einschneidendes Erlebnis, das nicht mit den bisherigen Denkstrukturen in Einklang gebracht werden kann, die kognitive Dissonanz auflösen.

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    2. Lesen Sie hierzu meinen Artikel "Die Attraktivität homöopathischer Behandlungen - oder: Was macht der homo sapiens mit seinem Kausalitätsbedürfnis?" auf meiner Homepage (Fachpresse). Hier beziehe ich mich auf evolutionsbiologische Erkenntnisse.

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  22. Liebe Frau Grams
    Nun, sie haben sich mit ihrem Buch exponiert und sich mit ihrer Meinung auf die Seite der logisch analytischen Wissenschaft gestellt. Wie immer bei Exponiertheit wird es den Ruhm von der gleichgesinnten Seite geben, und die Schmähungen von der Gegenseite. Unter Ruhm verstehe ich hierbei Anerkennung, Unterstützung und Sympathie, die ich ihnen auch entgegen bringen möchte.
    Es gehört schon einiges dazu, ein selbst aufgebautes und als richtig erachtetes Weltbild aus einer völlig gegenläufigen Motivation heraus (sie wollten doch ein Buch FÜR die Wirksamkeit der Homöopathie schreiben ...) plötzlich in Frage gestellt zu sehen und dann nicht aufzuhören, sondern es wirklich zuzulassen, dass selbiges Weltbild einigermaßen in sich zusammen stürzt. Trotzdem haben sie ihr Buch weiter geschrieben, ihre Meinungsänderung damit dokumentiert und zusätzlich auch noch im privaten Bereich aus der neuen Überzeugung heraus lebensverändernde Einschnitte vorgenommen. Es ist mir deshalb ein Bedürfnis ihnen dafür meinen höchsten Respekt auszusprechen.
    Die Nachtcafe-Sendung habe ich mir gestern (03.11.) abend angesehen (Danke für den Link) und mir haben die Kommentare und Argumente von ihnen und Dr. Bruns und auch die Art, wie sie beide diese vorgebracht haben, sehr gut gefallen. Nicht ausschweifend, nicht beifallheischend, nicht mit Einzelschicksalen argumentierend, nichts davon, sondern klares und einfaches "ita est". Menschen mit einer gesunden Skepsis werden sie damit erreicht haben. Andere, wie jene, die ihnen hier geschrieben haben, besitzen offensichtlich vorgefertigte Meinungen, die sie nicht in Frage gestellt sehen wollen. Deshalb wurde in keinem einzigen der von ihnen geposteten mails auch nur ansatzweise vernünftig auf eines ihrer Kommentare und Argumente eingegangen. Und damit sind wir bei den oben erwähnten Schmähungen. Die vermeintliche Anonymität des Internet macht Beschimpfungen sehr einfach. Und ich hoffe inständig, dass sie sich keines dieser mails irgendwie zu Herzen nehmen oder auch nur weiter darüber nachdenken.
    Nachdenken, genau das Stichwort um endlich zum Abschluß meines Postings zu kommen. Dr. Bruns sprach ausführlich über die Information des Patienten, der sich dann auch auf Grundlage dieser Informationen für seine Therapieform entscheiden soll. Dem stimme ich auch voll und ganz zu. Information gibt aber ihren Inhalt nur preis, wenn sie dementsprechend verarbeitet wird. Sprich, man muss sich damit auseinandersetzen, darüber nachdenken, abwägen, weitere Informationen einholen etc. In einer aufgeklärten, zivilisierten und gebildeten Gesellschaft, der unglaublich viel Information zugänglich ist, sollte dies eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.
    Aber wenn dem so wäre, dann würden wir uns hier und heute meiner Meinung nach nicht über Sinn und Unsinn der Homöopathie Gedanken machen müssen. Oder was meinen sie?

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    1. Lieber Herr Simmer, da stimme ich Ihnen zu. Das Problem ist wohl, dass es zu allem Informationen gibt, was man ja auch bei der "impformierten" Impfgegnerschaft sieht. Wie kann der einzelne Verunsicherte dann wissen, welche Infos stimmen? Hab leider (noch) keine Lösung ;-)

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  23. Was die Lösung sein könnte? Selbstständig denken und ohne vorgefasste Meinung recherchieren. Hört sich einfach an, ist aber sehr schwer.

    Ihr Beitrag hat mir sehr gefallen, Herr Simmer!

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