Sonntag, 21. Februar 2016

Homöopathie - Heilung oder Humbug? Die ewig gleiche Frage ist beantwortet

Nahezu jede Sendung und jeder zweite Artikel zur Homöopathie ist mit so etwas betitelt wie: "Homöopathie - Heilung oder Humbug?". Als Homöopathin dachte ich auch immer, dass es eben zwei Meinungen gäbe. Die einen hätten die Wunder der Homöopathie am eigenen Leib erlebt und zweifelten deshalb nicht an ihrem Erfolg und ihrer Wirksamkeit, die anderen hätten diese Erfahrung noch nicht gemacht und wären deshalb dagegen. Es hat mich viel Mühe gekostet zu begreifen, dass die Sache komplexer ist. Und zu begreifen, dass die Frage "Wirkt sie oder wirkte sie nicht?" längst beantwortet ist.
Natürlich hat die Homöopathie eine Wirkung, kein Kritiker bezweifelt dies. Jedoch, und das ist ganz entscheidend, keine Wirkung, die spezifisch und kausal durch die Inhalte der Globuli, durch Medikamentenbild und Lebenskraft bestimmt wäre. Es wirken psychologische Momente, es wirkt die vergangene Zeit, es gibt glückliche Zufälle und es gibt Effekte, die durch den Glauben und die Hoffnung an eine Wirksamkeit zu einer Heilung beitragen können (Placebo- und Kontexteffekte). Es treten Suggestionen und Autosuggestionen beim Therapeuten und beim Patienten auf. Manchmal sogar beides in Personalunion vereint, wenn man sich selbst homöopathisch behandelt. Das alles gut aufzudröseln ist viel komplexer als zu sagen: "Ich hab halt die Erfahrung gemacht, dass es nach den Globuli besser war. Also muss sie ja wirken. Punkt.". Und während die Homöopathen Kritikern und Wissenschaftlern gerne vorwerfen, sie wollten sich nicht weiter mit dem Warum beschäftigen, so müssten sie sich hier mal an die eigene Nase fassen. Kritiker gestehen der Homöopathie durchaus eine Wirkung zu und können diese auch erklären. Das haben Homöopathen in 200 Jahren Homöopathie Geschichte nicht geschafft. Homöopathen behaupten einfach, dass es an etwas anderem liegen müsse als oben gennant ("Energie", "Information", "Wassergedächtnis"), obwohl dies nie wirklich (!) belegt werden konnte. Wer ist denn hier stur und uneinsichtig? Wer hält denn hier an längst beantwortbaren Fragen fest?

Im Informationsnetzwerk Homöopathie haben wir deshalb eine Erklärung verfasst, die unsere kritische Sicht auf die Homöopathie darlegt. Die erklärt, was Homöopathie ist und was sie nicht ist. Wir wünschen uns, dass diese Erklärung dazu beiträgt, dass auch in Öffentlichkeit und Presse davon Abstand genommen wird, die Homöopathie zu verklären, statt sie zu erklären. Wir wünschen uns, dazu beitragen zu können, dass keine weiteren unnötigen Fragen mehr mit viel Forschungsgeldern beackert werden, wir haben die Antworten längst in derzeit ausreichender Klarheit. Wir wünschen uns keine weitere Verunsicherung von Patienten mehr durch selbst uninformierte oder fehlinformierte Homöopathen. Und wir wünschen uns, dass kein Geld mehr dafür verschwendet wird, falsche Heilsversprechen auch noch gesetzlich legitimiert zu bezahlen!

Wer also auch dafür ist, dass wir diese ewig gestrige Frage nun als beantwortet einsortieren und uns neuen und spannenderen Forschungsprojekten und Diskussionen widmen, der darf gerne unsere Freiburger Erklärung zur Homöopathie mit unterstützen:
http://www.gwup.org/inhalte/79-aktuelles/nachrichten/1754-freiburger-erklaerung


Zum Weiterlesen: Lets finally end this farce: http://www.independent.co.uk/voices/need-any-more-proof-that-homeopathy-is-useless-weve-just-got-it-so-lets-finally-end-this-farce-a6889671.html

Kommentare:

  1. Was halten sie davon, Beispiele zu posten, die zeigen wie schnell man sich in die Homöophatie und Co verrennen kann. Ich haette da gleich zwei persönliche Erfahrungen.

    Denn in der Regel erkennen sich viele Gläubig in solchen Erklärungen nicht wieder. "Mich kann man nicht so leicht austricksen", denken sich die meisten.

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    1. An welche Erfahrungen/Beispiele denken Sie da?

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  2. Wie wärs mit dem folgenden Beispiel


    >>Belladonna und die erweiterten Pupillen<<


    #Die Geschichte
    Ein Freund hat mir beim Essen erzählt, dass er ein homöophatisches Mittel gesucht hat, um die Erkältung seines Sohnes zu behandeln. Eine Apothekerin verkaufte ihm ein Homöophatiklum mit dem Inhaltsstoff Belladonna(Tollkirsche). Weiterhin sagte sie ihm, dass bei Einnahme sich die Pupillen erweitern würden. Abends hat er seinem Sohn das Homöophatikum verabreicht. Dabei lag sein Sohn im Bett.

    Sein Beweis für die Wirkung des Homöophatikums war die Pupillenerweiterung, die sich bei seinem Sohn ausbildete.



    #Die Frage
    Gibt es einen Mechanismus meim Menschen, der die Pupillen erweitert? Einen Mechanismus der ohne Einnahme von Pillen und ähnlichem einsetzt?



    #Die Voraussetzung fürs Finden einer Antwort
    Neugier und die Anerkennung, dass Menschen sehr sehr fehlbar sind. Jeder Berufsmagier kann ein Lied davon singen.



    #Die möglichen Antworten
    Die Pupillen können sich bei Menschen erweitern wenn,
    - sie aufgeregt sind
    - sie sich in Erwartungshaltung befinden
    - sie angespannt sind
    - sie auf dunkle Flächen gucken
    - sie ihre Bauchmuskeln anspannen(siehe Youtube)
    - sie den Fokus auf ein Objekt verlieren
    - sie an dunkle Räume denken
    - sie optisch getäuscht werden



    #Die, aus meiner Sicht, nahliegenden Antworten
    1.
    Sein Sohn lag im Bett und hat die Decke angeschaut. Hierbei hat er evtl. den Fokus verloren, falls die Decke einfach nur eine homogene Fläche ist.

    2.
    Wenn im Flur das Licht an war, aber im Zimmer nicht, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass mit dem Blick an die Decke sich die Pupillen erweitern. Die Decke ist dunkler als der Flur.


    3.
    Die Worte des Vaters kombiniert mit der Gabe eines "Heilmittels" löste beim Sohn eine Erwartungshaltung und Neugier aus.



    #Die Diskussion mit meinem Freund
    Leider kann ich diese nicht genau wiedergeben. Es gab auch nicht wirklich eine. Fakt ist, dass er die Erklärungsansätze tatsächlich mit den Worten "Ich GLAUBE nicht, dass es etwas damit zu tun hat" abgetan hatte.


    #Das Fazit
    Die vorgestellten Erklärungsansätze haben nichts mit Glauben zu tun. Diese sind wissenschaftlicher Fakt. Mein Freund konnte sich nicht auf alternative Erklärungsansätze einlassen. Einer wirkliche Ergründung der erweiterten Pupillen hat er sich somit verschlossen.



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    1. Ein sehr gutes Beispiel, wie die Homöopathie verfängt! Vielen Dank.

      Wir Menschen neigen zu einfachen Antworten, auch auf komplexe Zusammenhänge. Da hat die Homöopathie es leicht: Sie gibt ganz einfache Antworte und erspart das Nachdenken, Zerlegen, Analysieren, Kontrollieren.
      Derweil sich die Homöopathen gerne als die "komplizierten Denker ausgeben", siehe auch hier: http://homoeopathie-neu-gedacht.blogspot.de/2015/09/homoopathie-ist-eigentlich-ganz-einfach.html

      Es ist nicht leicht, das aufzudröseln. Und es gefällt nicht jedem, zu akzeptieren, dass es nicht immer die einfachste Antwort ist, die stimmt, Auch wenn es sich so anfühlt.

      Wir würden solche Fälle und Erklärungen auch gerne auf unsere Netzwerkseite aufnehmen. Würden Sie mir den "Fall" als Worddokument an meine Mailadresse schicken? Ich werde ihn ggfs weiterverwenden. Vielen Dank nochmal dafür.

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  3. Ich finde Ihren Blog wahnsinnig interessant, da ich bisher selbst eher ein Befürtworter der Homöopathie war und ich mich auch schon homöopathisch habe behandeln lassen. Ich bin deswegen gespannt auf Ihre Argumente und Infos.
    Dies nur als kleiner "Aufbauer" zum Thema: Homöopathie-Befürworter sind nicht offen für gegenteilige Argumente ;-)

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  4. Super, Ihr Buch und Ihr sogenanntes Outing! Jetzt haben Sie ja endlich den Erfolg und die Aufmerksamkeit und "Anerkennung", die Sie als lausige "Ärztin" und "Pseudo-Homöopathin" mangels "Masse" nie erreicht hätten. Gratulation (Pfui Teufel ...)!

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